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Im Rahmen der Wittlicher Kulturtage 2011 präsentierten das Emil-Frank-Institut in Kooperation mit dem Jazz-Club Wittlich das Duo "DOYNA - Klezmer JazzFunk. Der Trierische Volksfreund berichtet in der Ausgabe vom 13. Mai 2011 wie folgt:

Authentisch und bewegend

Ein hinreißendes Konzert mit einer vielgestaltigen, berührenden Mischung aus Klezmer, südeuropäischer Folklore und Jazz hat das Duo Doyna aus Klarinettistin Annette Maye und Gitarrist Norbert Scholly in der Wittlicher Synagoge gegeben. Zu dem Abend im Rahmen der Wittlicher Kulturtage hatten der Jazzclub Wittlich und das Emil Frank Institut eingeladen.

Es macht schon einen großen Teil des Erlebnisses aus, wenn Rahmen und Inhalt einer Veranstaltung stimmig sind. Auf das Konzert von Doyna trifft das in besonderem Maße zu, denn in der Wittlicher Synagoge verbinden sich Musik, die aus jüdischer Tradition schöpft, und die Aura eines Zentrums jüdischer Kultur. So gelingt auf Anhieb das intensive Eintauchen in eine Welt manchmal exotisch anmutender Klänge.

Annette Mayes und Norbert Schollys Repertoire liegt hauptsächlich Hochzeitsmusik von Juden aus Ost- oder Südeuropa zugrunde, Tänze und Lieder im Klezmer-Stil, die Balkan- und Orienteinflüsse erkennen lassen. Dazu kommen Kompositionen, die im Krakauer Ghetto, dem Amerika der 1920er Jahre oder in neuerer Zeit entstanden sind. Eine Perle darunter ist der von Giora Feidmann aufgenommene "Clarinetango", der zwischen Harmonie und Spannung balancierend argentinischen Tango mit Klezmer verschmilzt.

Verschmelzung ist das Leitmotiv der beiden Musiker, die sich nach der rumänischen "Doyna", einer frei nach Gefühl zu improvisierenden Tanzmusik-Einführung benannt haben. In all ihren Interpretationen und abwechslungsreich strukturierten eigenen Kompositionen vereinen sich nicht nur unterschiedliche folkloristische Einflüsse, sondern auch Elemente des Jazz. Mit virtuosen Improvisationen, die auch mal fetzige Funk-Rhythmen anschneiden, verdichten Maye und Scholly die Aussagen der Stücke. Mehr noch, sie ersetzen damit sogar Texte, zum Beispiel die Worte eines aus dem spanischen Raum stammenden Liedes über das Himmelszelt.

Mit größter Sensibilität schöpfen die beiden Musiker die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Instrumente aus und machen so sehnsuchtsvolle Romantik genauso wie pure Lebensfreude fühlbar. Annette Maye singt, zwitschert, schluchzt und flüstert mit ihrer Klarinette. Mit der tiefen Bassklarinette zaubert sie markante Stakkato-Rhythmen, Basslinien oder dynamische, nach Saxofon klingende Soli. Scholly ergänzt all das überaus filigran. Mit ihrer Hingabe vermitteln die beiden authentisch Freude, Melancholie und Sehnsucht. Das Publikum ist hingerissen und lässt das Duo erst nach zwei Zugaben ziehen.

Anke Emmerling