10 Juni Exkursion nach Metz
Am 26. März 2026 fuhr eine Gruppe mit René Richtscheid und Uli Dann (als katholische und evangelische Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Trier) nach Metz. In der Synagoge gab es die Gelegenheit zu einem Treffen mit dem uns seit langer Zeit verbundenen Rabbiner Gérald Rosenfeld, der häufig die christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier in Trier mitgestaltet hat und aktives Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Emil-Frank-Instituts ist.
Er gab eine Führung durch das Hauptgebäude und angrenzende Räume der jüdischen Gemeinde bzw. des Rabbinats. Die große, eindrucksvolle Synagoge wurde erst kürzlich restauriert. Spannende Einblicke in die Geschichte der Gemeinschaft und das Leben der drei auf einem Gelände gemeinsam praktizierenden Gruppierungen boten sich. Da sich die Liturgien der Aschkenazi, Sephardi und streng Religiösen voneinander unterscheiden, haben letztere eigene Gebetsräume. Der Rest des jüdischen Gemeindezentrums wird von allen gemeinsam genutzt. So gibt es neben der angebauten Schule und dem Kindergarten ein eigenes Seniorenheim. In all dem wird die Lebendigkeit der Gemeinde deutlich. Nach der hochinteressanten Führung durch R. Rosenfeld begaben wir uns zum Dom St. Étienne, der Lanterne du Dieu. Im Hinblick auf die jüdisch-christlichen Beziehungen war dort v.a. der Bogen über dem Eingang interessant, welcher neben Heiligen und biblischen Figuren auch die Gegenüberstellung von Ecclesia und Synagoga zeigt. Ein positives Symbol christlich-jüdischen Zusammenlebens stellen hingegen die Glasfenster der Kathedrale von Marc Chagall dar. Der jüdische Künstler gestaltete drei Fensterkomplexe mit alttestamentlichen Motiven, für welche er sich durch Themen der chassidischen Geschichten inspirieren ließ. Für Chagall war dieses Werk seine erste Arbeit in einer Kathedrale. Er fertigte die Fenster ohne Honorar an. Vor dem Heimweg machten wir noch an Orten historischer interreligiöser Begegnungen halt. Neben der ehemaligen Judengasse Jurue gehörte die römische Basilika(kirche) St-Pierre-aux-Nonnains zu den Anlaufstellen, das älteste existierende Kirchengebäude Frankreichs. Mit der Kapelle des Templerordens wurde abschließend erneut ein Kapitel sichtbar, welches für Feindlichkeit zwischen den Religionen stand. Dennoch lässt sich als Fazit aus der Exkursion ziehen, dass es sehr lebendige und fruchtbare Beziehungen gab und noch immer gibt, was in Zeiten von Krieg und wachsendem Antisemitismus einen Hoffnungsschimmer am interreligiösen Horizont darstellt.
Zum Foto:
Das Portal der 1858/59 nach Paris transferierten Jeschivah ist noch heute erhalten und befindet sich gegenüber der Front der 1850 eingeweihten Metzer Synagoge (Rue du Rabbin Èlie Bloch);
Quelle: Rabbinat Metz