Auf den Spuren der Familie

Auf den Spuren der Familie

Am 31. Juli und 1. August 2026 besuchten Jane und Jim Grossman aus Missouri/USA die Stadt Wittlich, um die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen. Es war das erste Mal, dass das Geschwisterpaar (78 und 80 Jahre alt) Europa bereiste.
Im Auftrag des Emil-Frank-Instituts begleiten Christine Dunn, Elke Scheid und Michael Wagner die Gäste der Stadt und erläuterten ihnen die Geschichte Wittlichs und insbesondere die große jüdische Vergangenheit.

Man begann mit der Ahnenrecherche in der Bibliothek des Emil-Frank-Instituts, die Christine Dunn vorbereitet hatte und darstellen konnte. Die Geschwister Grossman sind Nachfahren der Wittlicher Familie Mendel, die als Viehhändler und Metzger einen Betrieb in der Himmeroder Straße 23 unterhielten. So war es interessant, vor der Abfahrt zum jüdischen Friedhof den heutigen Parkplatz „Viehmarkt“ zu zeigen, wo einst mit Vieh gehandelt wurde.

Michael Wagner erläuterte dann den jüdischen Friedhof und führte Familie Grossmann, die von ihren deutschen Freunden, dem Ehepaar Schroeter, begleitet wurden, zu den Gräbern von Jakob Mendel und seiner Frau Karolina Bach, den Eltern von Wilhelm, das Grab dessen Bruders Daniel Mendel und seiner Frau Sara Hayum und das des früh verstorbenen Jakob. Tief bewegt erklärte Jane Grossman, es sei der Wunsch ihres 1994 verstorbenen Vaters William Mendel Livingstone gewesen, diese Gräber zu besuchen, und sie sei dankbar, diesen Wunsch posthum erfüllt zu haben.

Am nächsten Tag schilderte Elke Scheid die Geschichte der Stadt Wittlich seit der eisenzeitlichen Siedlung auf dem Tempelkopf bis heute. 3000 Jahre Vergangenheit faszinierten die Amerikaner. Das Alte Rathaus wurde besichtigt und die Häuser am Marktplatz, viele einst im Besitz jüdischer Wittlicher, wurden erläutert. An den Deportationshäusern vorbei führte der Weg in die Himmeroder Straße 23, dem alten Mendel-Haus, und schließlich zur Synagoge, wo die jüdische Geschichte der Stadt detailliert geschildert wurde. Die Besichtigung der Ausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ bildete den Abschluss der Führungen.

Jane Grossmann verabschiedete sich mit den Worten „Vielen Dank, nun weiß ich, wo ich zu gehöre.“

Text: Elke Scheid
Fotos: Michael Wagner, Elke Scheid



Emil-Frank-Institut