Mahnwache - Kranzniederlegung - Gedenkveranstaltung

Mahnwache 2019 kleinRund 100 Menschen versammelten sich auch am diesjährigen 9. November auf dem Marktplatz in Wittlich und standen eine Stunde schweigend im Regen um den auf dem Boden liegenden illuminierten Davidstern.

Der Arbeitskreis „Jüdische Gemeinde Wittlich“, das Emil-Frank-Institut und das Kulturamt der Stadt Wittlich hatten die Aktion vorbereitet und dankten einer französischen Familie aus der Partnerstadt Brunoy für die Teilnahme, zu der sie explizit angereist waren. Nach der Mahnwache gingen die Menschen nachdenklich zur Synagoge, wo sie die Kerzen niederstellten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bürgermeister Joachim Rodenkirch und die Erste Beigeordnete der Stadt Wittlich, Frau Elfriede Meurer MdL, legten Kränze vor dem Mahnmal der ermordeten Wittlicher Juden nieder. „Auch heute“, so Bürgermeister Rodenkirch, „würden Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft oder Religion bedrängt und bedroht. Deutsche Juden müssten nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle und die dort stattgefundenen Morde wieder um ihr Leben fürchten. Eine untragbare Situation, die wir alle nicht zulassen dürfen.“

Madame Finel aus Brunoy sprach eindringlich und bewegend das Kaddisch vor der Synagoge, eine Geste, die mittlerweile stimmige Tradition geworden ist.

In der voll besetzten Kultur- und Tagungsstätte Synagoge führten anschließend die Schauspieler Manuel Klein und Michael Klein das Stück „Empfänger unbekannt“ nach der Erzählung von Kathrine Kressmann Taylor auf. In diesem 1938 erschienen Briefroman wird die Geschichte einer Freundschaft zweier deutscher Kunsthändler zwischen 1932 und 1934 erzählt. Der eine, Max, ist Jude, der andere, Martin, Christ. Max betreibt die gemeinsame sehr erfolgreiche Kunsthandlung in Los Angeles, während Martin wieder in Deutschland lebt und sich bald den Nationalsozialisten anschließt. Die Freundschaft mit Max kündigt er auf, weil ein Nazi Juden verachten muss und verschließt sich einer Bitte Max‘, die dessen Schwester das Leben kostet. Womit Martin nie rechnete: Max rächt seine Schwester und die verlorene Freundschaft auf subtile Art.

Völlig fasziniert folgte das Publikum der Vorstellung und applaudierte den beiden überzeugenden Schauspielern lange und begeistert.

Foto: Werner Pelm

Text: Wittlicher Rundschau Nr. 46/2019