Antisemitismus in der nationalsozialistischen Weinpropaganda  
Donnerstag, 11. April 2019, 19:00
     

Vortrag von Dr. Christof Krieger, Historiker und Leiter des Mittelmoselmuseum in Traben-Trarbach. Er zeigt darin auf, dass selbst das vermeintlich unpolitische Feld der Weinwerbung vom nationalsozialistischen Rassenwahn keineswegs verschont blieb: Nicht allein, dass der 1935er Jahrgang unter offenen Bezug auf die kurz zuvor erlassenen Nürnberger Gesetze offiziell zum „Rassereinen“ ausgerufen wurde und jüdische Winzer sowie Weinhändler, aber auch sämtliche jüdischen Gastwirte und Einzelhändler von den profitträchtigen Weinpropagandaaktionen, die der NS-Staat 1935 bis 1937 im ganzen Reich organisierte, ausgeschlossen waren. Bei den Festen in den Patenstädten zeigte sich zudem bisweilen ganz offen die antisemitische Fratze des Hitlerregimes; etwa wenn - wie beim Festumzug 1935 in der Kaseler Patenstadt Bonn - „der Schlusswagen mit dem ‚Weinpantscher am
Galgen‘“ gezeigt wurde. Handelte es sich bei dem in aller Öffentlichkeit Gehenkten doch offenkundig um eine Karikatur des vorgeblich „jüdischen Weinschmierers“, wie er mitsamt Galgen und Schlinge während des Dritten Reiches auch bei anderen Gelegenheiten höhnisch zur Schau gestellt wurde. Faktisch war damit fünf Jahre vor der Shoah ein toter Jude zur Belustigung der Volksgenossen durch die Straßen der Beethovenstadt geführt worden!).

 
Ort : Kultur- und Tagungsstätte Synagoge, Himmeroder Str. 44, Wittlich