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Am 29. September wurden in der Bogengasse in Neumagen, am ehemaligen Standort der Synagoge und der jüdischen Schule, zwei Tafeln aufgestellt. Sie informieren über das Schicksal der Neumagener jüdischen Gemeinde allgemein sowie speziell der Synagoge und der Schule. Die Initiative geht zurück auf einen Arbeitskreis, der sich seit zwei Jahren regelmäßig in Neumagen trifft und in Zusammenarbeit mit dem Emil-Frank-Institut Informationen zusammenträgt, um die Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde wachzuhalten. Auf der Basis dieser Erkenntnisse konnten nun die beiden Tafeln gestaltet werden.

Vertreter des Arbeitskreises, der Gemeinde Neumagen und des Kulturvereins vor den neu aufgestellten Tafeln.

Die erste Tafel fasst die bekannten Fakten zur jüdischen Schule zusammen, die sich gemeinsam mit der Lehrerwohnung im sogenannten Bogenhaus befand. Interessant ist dabei, dass die jüdische Gemeinde über lange Zeit eine eigene Privatschule unterhalten konnte, die den gesamten Elementarunterricht abdeckte. In den meisten Nachbardörfern gab es hingegen für die jüdischen Kinder lediglich Hebräisch- und Religionsunterricht. Auch die 1872 daran angebaute Synagoge weist zumindest eine Besonderheit auf, die sich erst durch neuaufgefundene Fotos vom Innenraum rekonstruieren lässt. Dieser Innenraum war in den 1920er Jahren – entgegen dem biblischen Bilderverbot – mit gegenständlichen Malereien versehen worden, was für eine damals sehr fortschrittliche Ausrichtung der Gemeinde spricht. 

Die zweite Tafel zeichnet in groben Zügen die jüdische Geschichte in Neumagen nach. Die Vögte von Hunolstein bzw. ihre Erben siedelten in den ihnen gehörenden Ortsteilen bereits im Spätmittelalter und der Frühneuzeit Juden an. Aus dieser Zeit stammt nicht zuletzt der jüdische Friedhof, der auch von Juden aus der weiteren Umgebung genutzt wurde. Die jüdische Gemeinde wuchs im 19. Jahrhundert stark an, wobei 1851 ein Höhepunkt mit 101 Mitgliedern erreicht war. Diese Zahl ging zunächst allmählich und mit Beginn der NS-Zeit rasant zurück, bis 1941/42 die letzten beiden Familien Hirsch und Leib brutal deportiert wurden. 

Mit der Dokumentation insbesondere dieses letzten Abschnitts der jüdischen Geschichte dienen die Tafeln nicht nur als Informations-, sondern auch Gedenktafeln für die ehemalige jüdische Gemeinde.