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Die Saarbrücker Historikerin Dr. Sabine Penth referierte am 27. Oktober 2011 in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier über „Pilgerreisen ‚all inclusive’: Spätmittelalterliche Wallfahrten ins Heilige Land“.

Im Mittelpunkt des Vortrages standen drei ausgewählte Pilgerberichte aus dem 15. Jahrhundert:  die Reiseerinnerungen des Ulmer Dominikanermönchs Felix Fabri und des Mainzer Dompropsts Bernhard von Breydenbach, sowie des Patriziers Konrad Grünemberg. Schon seit der Spätantike, so legte Penth dar, interessierten sich die Christen für die Stätten des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu im Heiligen Land, für Jerusalem, das man als Mittelpunkt und „Nabel der Welt“ betrachtete. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, reiste bereits im 4. Jahrhundert nach Jerusalem und fand der Überlieferung nach dort das Kreuz Christi. Obwohl die muslimischen Mamluken im 15. Jahrhundert das Heilige Land und Jerusalem beherrschten, zogen vor allem adlige und geistliche Wallfahrer aus allen Teilen Europas dorthin. Neugier, Hoffnung auf größeres Ansehen und Abenteuerlust, aber auch echte Frömmigkeit und Bildungseifer waren die Gründe für diese Reisen. Anschaulich beschrieb die Referentin am Beispiel der Quellen die regelrechten „Pauschalangebote“ der Reeder und Kaufleute aus Venedig, die gefahrvolle Schiffsreise und das anstrengende Besichtigungsprogramm vor Ort während dieser Wallfahrten. Ihre Erlebnisse dokumentierten interessanterweise die beiden Geistlichen Felix Fabri und Bernhard von Breydenbach in teilweise reich bebilderten Pilgerberichten. So kennen wir auch heute noch die „Highlights“ dieser Reisen: Vor allem waren die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem wahre Magnete. Wie moderne Pauschalurlauber brauchten sich die damaligen Wallfahrer um nichts zu kümmern. Denn (fast) alles - außer Andenken - war einfach „inclusive“: Die Angebote beinhalteten nämlich die gesamten Reisekosten, Zölle, Visum, Trinkgelder, Dolmetscher, Verpflegung, Unterkunft und militärische Reisebegleitung. Besonders mutige Wallfahrer buchten noch ein Zusatzangebot, eine Reise zum Sinai auf den Spuren von Mose und der Heiligen Familie. Aber im Gegensatz zu heute konnten sich damals nur vermögende Adlige bzw. höhere Geistliche eine solche Wallfahrt überhaupt leisten – oder sie mussten wie Felix Fabri einen reichen Gönner finden, der die Kosten für sie übernahm. Menschen, die sich eine Pilgerreise nicht leisten konnten, begaben sich mithilfe von Pilgerberichten auf eine geistige Wallfahrt zu heiligen Stätten.

Patrick Trautmann
Stellvertretender Leiter der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier