Irgendwo auf der Welt, gibts ein kleines bisschen Glück

Lieder von Leben und Leid

Beeindruckend schöner Konzertabend des Emil-Frank-Instituts in Wittlich

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Bericht im Trierischen Volksfreund vom 17. Dezember 2016

(Wittlich) Sieben Musiker begeistern 250 Gäste mit beklemmenden Liedern über Furchtbares, mit heiteren Zeilen über Liebe und Leben, erschütternden Worten und kabaretthaften Reimen. Eine etwas andere Gedenkveranstaltung in der Synagoge schafft den Spagat zwischen ernster Mahnung und erstklassiger Unterhaltung.

 

Da stehen sie alle und klatschen. Gepfiffen wird ja nicht in der ehemaligen Synagoge. Und darf man „Zugabe“ rufen? Das Publikum bleibt wohlerzogen. Es dankt mit Applaus und glänzenden Augen den Künstlern, die noch ein „Auf Wiedersehn, leb wohl!“ singen.

Und jetzt? Gerade noch war man mit Didi Könen im Kurt-Weill-Song abgetaucht auf der Suche nach der „next whiskey-bar“. Die unerhörten Ereignisse in der durchgeknallten „Bar zum Krokodil“ hat Gerd Elsen weltmännisch vorgestellt. Die Zuhörer sind gebannt Theresia Zils durch das tieftraurige Lied „Trauriger Sonntag“ gefolgt. Alle hingen der taschenwackelnden Barbara Philipp im chansonhaften „Lied von der Gleichgültigkeit“ an den Lippen, bis es gruselte.

René Richtscheid vom Emil-Frank-Institut als Veranstalter sagte zuvor, Musik zu spielen, sei wie Geschichten erzählen: „Diese Lieder spiegeln Biografien und Zeitgeschichte. Hoffnung auf ein kleines bisschen Glück.“ Das war auch der Titel des Abends, der mit diesem Lied vor den Zugaben endete.

Und wie versprochen wurde, reichte das Repertoire von der leichten Muse bis zur beklemmenden Auseinandersetzung mit Bedrohungen, die wieder aktuell erscheinen. Richtscheid wünschte dennoch „viel Vergnügen“.

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Genau das ist der Verdienst der Musiker: Dass ihre Interpretationen und die Titelfolge es schaffen, zutiefst existenzielle Angst, bitterböse Satire und sogenannte Gassenhauer ohne Peinlichkeiten zu verbinden und man sich dennoch vergnügen kann. Etwa daran, dass die verschieden talentierten Sänger sich auf zauberhafte Weise gegenseitig höher tragen und plötzlich zusammen etwas berührend schönes Neues schaffen: wie in „Donna, Donna“.

Theresia Zils wirkt ihre Töne teils glockengleich, hoch konzentriert und artifiziell in kostbare, fast sakrale Höhen. Gerd Elsen ist souveräner Virtuose der vollen, eleganten Tiefen und mühelosen Perfektion. Dazu Didi Könen, der die Seele reinpackt ob in Protest oder Liebe, als sänge er von sich. Und Barbara Philipp, deren ganzer Körper mit ihrer großartig verführenden, mal gebrochenen, mal atemlosen, immer am Tenor der Worte und deren Zwischentönen arbeitenden Stimme singt.

Gruppenbild Band kleinDazu eine wunderbare Begleitung an Schlagzeug, Bass, Klavier, die die Größe hat, sich zurückzuhalten. So haben sich die Wittlicher und ihre Gäste irgendwie schon selbst beschert, mit einem beeindruckenden gemeinsamen Erlebnis. Zum Abschied könnte man zurückrufen: „Auf Wiederhörn, lebt wohl!“
 
Extra:
„An diesem Abend erklingt Bekanntes und Unbekanntes jüdischer Künstler zwischen verehrt, verachtet, verboten, verfolgt, vertrieben und vernichtet – Schicksale, welche vielfach verdrängt wurden, aber auf keinen Fall vergessen werden sollten. Es ist kaum zu ermessen, wie viel kreatives Potenzial in dieser Zeit zwangsläufig verkümmert ist und schließlich der Welt verloren ging.“ So hatte der Veranstalter des Abends, das Emil-Frank-Institut, für das Programm geworben.

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Die Künstler Barbara Philipp, Theresia Zils, Didi Könen, Gerd Elsen (Gesang), Mark Schelzke (Klavier), Klaus Wahl (Kontrabass), Klaus Behütuns-Steffens (Schlagzeug), sind allesamt ohne Gage aufgetreten und haben sich insgesamt 24 Lieder jüdischer Komponisten und Textdichter aus der Zeit vor und nach der schicksalhaften nationalsozialistischen Machtergreifung ausgesucht, um so an das zerstörte kulturelle Erbe zu erinnern.

16.12.2016
Quelle: Trierischer Volksfreund Autor: Sonja Sünnen

Fotos: Heinz-Arnold Schneider

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